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    Teufelskreis Internetsucht: Wer zu viel surft, ist anfälliger für andere Drogen

    Teufelskreis Internetsucht: Wer zu viel surft, ist anfälliger für andere Drogen

    Ego-Shooter-Spiele erhöhen bei Kindern die Gewaltbereitschaft und machen abhängig

    Das Thema ist brisant: Gestern sprach Gehirnspezialistin Manuela Macedonia in den Linzer Redoutensälen vor 300 Interessierten über "Kinder, digitale Medien und das Gehirn". "Der Andrang war groß, wir hätten den Saal locker noch einmal füllen können", sagt Günther Ganhör für den Veranstalter Institut Suchtprävention von pro mente OÖ. Die Wissenschaftlerin von der Johannes Kepler Universität Linz sprach über Chancen und Gefahren durch Handy, Computer und Spielkonsolen.

     

    Kinder und Jugendliche lieben es, im Internet zu kommunizieren und zu spielen. Was bewirkt das im Gehirn?

    Je jünger Kinder sind, umso effizienter sind Lernprozesse in ihrem Gehirn. Das gilt leider auch für Gewaltbereitschaft und verminderte Empathie. Darüber hinaus bieten Games Suchtpotential. Sucht bewirkt anatomische und funktionelle Veränderungen des Gehirns: Auch diese Veränderungen werden bei jungen Menschen besonders effizient vollzogen. Gewaltspiele sind also ein Training für gewalttätiges Verhalten, verminderte Empathie und asoziales Verhalten.

    Wie wirken Soziale Netzwerke?

    Kommunikation ist ein Grundbedürfnis des Menschen, sie ist die Basis der sozialen Interaktion. Damit das Kommunizieren gut funktioniert, hat uns die Evolution mit einem Mechanismus ausgestattet, und zwar mit der Freude am Kommunizieren. Freude wird im Belohnungssystem unseres Gehirns ausgelöst, sie wird über die Ausschüttung des Glückshormons Dopamin gesteuert. Haben wir über die Medien die Möglichkeit, mehr zu kommunizieren, nutzen wir sie auch.

    Woran erkenne ich, ob mein Kind süchtig ist?

    Wenn Kinder besagte digitale Medien so viel verwenden, dass Schule, Bewegung, Hobbys und Freunde in der Außenwelt zweitrangig werden, müssen die Alarmglocken läuten. Ich bin persönlich für medienfreie Zeiten im Alltag der Kinder: In der Schule sollte man das Smartphone komplett abgeben. Auch zu Hause sollte die Verwendung strukturiert werden, ansonsten gibt es immer einen ("guten") Grund, warum die Kinder das Smartphone ständig in der Hand halten. Auch das Fernsehen hat im Kinderzimmer nichts verloren. Es drohen auch Komorbiditäten.

    Was bedeutet das?

    Internetsucht ebnet den Weg für andere Süchte. Das Wohlbefinden wird dann zum Beispiel durch Tabletten oder Rauchen gesteigert. Auch Essstörungen können in Kombination mit Internetsucht auftreten.

    Teufelskreis Internetsucht: Wer zu viel surft, ist anfälliger für andere Drogen

    Wie lange sollte ein Kind im Internet sein dürfen?

    Persönlich bin ich der Meinung, dass Kinder kein Fernsehen, keinen PC, keine Online- oder Konsolenspiele und keine digitalen Spiele – ob am Smartphone oder am Tablet – brauchen, um sich zu unterhalten. Ich bin für eine sinnvolle Nutzung der digitalen Medien: Wenn digitale Medien einem Kind etwas beibringen, das es für sein Leben braucht, dann soll es Zugang bekommen. Dazu zählen zum Beispiel lesen, schreiben, rechnen, ein Instrument spielen lernen und echtes Wissen zu erwerben. Alles andere ist Zeitverschwendung in einer sensiblen Entwicklungsphase, in der das Gehirn viele wichtige Inhalte aufnehmen müsste.

    Wie erklärt man seinem Kind am besten, warum eine Beschränkung notwendig und sinnvoll ist?

    Zuerst sollten sich Eltern intensiv mit digitalen Medien beschäftigen, wissen, wie sie funktionieren, und Kompetenz diesbezüglich entwickeln, von Facebook bis zu Spielen. Dadurch können sie mit den Kindern "auf Augenhöhe" argumentieren. Kennen sie sich nicht aus, werden ihre Empfehlungen nicht ernst genommen, und Verbote lösen Konflikte aus. Beschränkungen sollen auch mit sinngebenden Beschäftigungen als Ersatz einhergehen: zusammen spielen, Sport treiben, ein Hobby ausüben. Sobald Kinder unterbeschäftigt sind, greifen sie zu den Medien, und das ist letztendlich das, was vermieden werden soll.

    Wie nützen Sie persönlich digitale Medien?

    Ich habe seit 1999 kein Fernsehgerät mehr. Ich wüsste nicht, wann ich in meinem Alltag fernsehen soll. Als Wissenschaftlerin findet intellektuelle Arbeit bis auf die wenigen Stunden Lehre, die ich im Hörsaal verbringe, aber ausschließlich am Computer statt. Ich gehöre auch zu jenen, die ein Facebook-Profil haben.

    Dietlind Hebestreit, 11.01.2018, 00:04 Uhr

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