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    Mehr Keuchhusten, aber kein Impfstoff für Erwachsene

    Mehr Keuchhusten, aber kein Impfstoff für Erwachsene

    "Der Impfstoff ist zur Zeit nicht lieferbar." Mit dieser Auskunft kam ein Vater, dessen 17-jährige Tochter gerade an Keuchhusten erkrankt ist, aus der Apotheke. Nachschub für Österreich kommt frühestens Mitte August.

    "Vor zwei Jahren konnte eine ganze Charge an KeuchhustenImpfstoff nicht verwendet werden, seitdem kommt es immer wieder zu Engpässen", bestätigt Monika Aichberger, Vizepräsidentin der Apothekerkammer OÖ. Den Verdacht, dass Österreich keinen Impfstoff bekommt, weil bei uns Medikamente besonders billig sind, will Aichberger nicht bestätigen. "Tatsache ist aber, dass wir ein kleiner Markt und bei Medikamenten ein Tiefpreisland sind", so die Apothekerin. Auch, dass in Österreich nur eine Firma den Impfstoff anbieten darf, verschärft die Situation.

    Mehr Erwachsene betroffen

    Tatsächlich wird Keuchhusten in Oberösterreich immer mehr zum Problem: Nach 55 Fällen im Jahr 2014 und 46 im Jahr 2015 ist die Zahl der Erkrankungen 2016 auf 143 hinaufgeschnalzt.

    Keuchhusten oder Pertussis ist zwar eine Kinderkrankheit, "die Erkrankung verschiebt sich aber immer mehr ins Erwachsenenalter", sagt Rainer Gattringer vom Ordensklinikum Elisabethinen Linz. Besonders betroffen ist die Altersgruppe der 40- bis 45-Jährigen. Häufig kommt es bei Erwachsenen zu Komplikationen mit der Lunge und zu Langzeitverläufen.

    "Dass die Impfung für Erwachsene nicht lieferbar ist, ist ein Wahnsinn", sagt der Impfreferent der Ärztekammer OÖ, Johannes Neugebauer aus Eferding. Die Erkrankung ist sehr ansteckend, bis die Behandlung mit Antibiotika nach rund zehn Tagen abgeschlossen ist. Dauern kann sie Wochen und Monate.

    Die Diagnose wird mit einem Abstrich aus dem Nasen- oder Rachenraum gestellt. Für eine 95- bis hundertprozentige Immunisierung müssen drei Impfungen gemacht werden, für die Auffrischung genügt eine einzelne Spritze. Auch um Neugeborene zu schützen, die noch nicht geimpft und besonders gefährdet sind, sollten sich Erwachsene alle zehn Jahre nachimpfen lassen.

    Nicht von dem Engpass betroffen sind Impfstoffe für Kinder, "die im Notfall auch Erwachsenen gegeben werden dürfen", sagt die Apothekerin Monika Aichberger. Während bei Erwachsenen Pertussis mit einer Impfung gegen Diphtherie, Tetanus und Kinderlähmung als Vierfachimpfung angeboten wird, kommt bei der Sechsfach-Impfung für Kinder noch Hepatitis B und HIB (Haemophilus influenzae Typ B) dazu.

    Dietlind Hebestreit, 13.07.2017, 00:04 Uhr

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