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    Impfpflicht: Muss das wirklich sein?

    Impfpflicht: Muss das wirklich sein?

    Kinderärzte sprechen sich dafür aus – die Gesundheitstour der OÖNachrichten zum Thema Impfen kommt am Donnerstag, 15. März, um 18 Uhr ins Salzkammergutklinikum Vöcklabruck

    Täglich kommen wir mit einer Vielzahl an Bakterien und Viren in Berührung. Die meisten davon beeinträchtigen uns nur wenig, manche gar nicht. Es gibt aber auch Erreger, die schwere Infektionen hervorrufen können. Krankheiten wie zum Beispiel Masern, Kinderlähmung und Tetanus können mit Komplikationen verlaufen und sogar tödlich enden. Durch Schutzimpfungen können diese Risiken vermieden werden.

    Was Impfen bringt, wer sich unbedingt impfen lassen sollte und wann eine Impfung keinesfalls durchgeführt werden soll, erklären Tilman Königswieser, Ärztlicher Direktor des Salzkammergut-Klinikums, und Primar Dieter Furthner, Leiter der Abteilung für Kinderheilkunde, auf der Gesundheitstour in Vöcklabruck am Donnerstag, 15. März, ab 18 Uhr.

    Impfen schützt alle

    Durch Impfungen schützt man sich in erster Linie natürlich selbst vor ansteckenden Krankheiten. "Manche Kinder können nicht mit Lebendimpfstoffen geimpft werden, beispielsweise Kinder mit Immundefekten. Diese Kinder sind nur dann geschützt, wenn die Herde, also wir Gesunden, geimpft sind und somit die Krankheit gar nicht ausbrechen kann. Für Kinder mit Immundefekten verlaufen Masern meist dramatisch", erklärt Kinderarzt Tilman Königswieser.

    Die 90-jährige Oma anstecken

    Doch es gibt auch andere Menschen, die sich nicht impfen lassen können. Für manche Impfungen sind Babys beispielsweise noch zu jung, andere Menschen können aufgrund einer chronischen Erkrankung die eine oder andere Impfung nicht bekommen. Sie sind darauf angewiesen, dass die Menschen in ihrem Umfeld geimpft sind und ihnen Schutz vor Ausbreitung und Ansteckung bieten. Man spricht dann von Herdenimmunität. Der eigene Impfschutz trägt also gleichzeitig zum Schutz der Gemeinschaft bei. "Nehmen wir nur das Beispiel der Grippeimpfung. Ein 40-Jähriger stirbt kaum an der Grippe. Er kann aber leicht seine 90-jährige Großmutter anstecken, für sie ist die Grippe dann eventuell tödlich. Ist die Herde geschützt, schützen wir mit uns die Schwachen. Impfen ist also nicht nur Individualschutz, sondern auch Kohorten- oder Herdenschutz, gerade für die Schwachen unserer Herde", sagt Königswieser.

    Die so genannte Impfmüdigkeit ist der Grund, dass es wieder mehr Masernfälle in Österreich gibt. Allein im Vorjahr wurden bundesweit 95 Fälle registriert, in Oberösterreich waren es acht.

    Die angestrebte Durchimpfungsrate der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 95 Prozent ist bei der Masernimpfung europaweit noch in weiter Ferne. In Österreich beträgt diese Rate etwa 87 Prozent, in Tirol in manchen Bezirken nur knapp über 70 Prozent. Gründe dafür seien etwa Missinformationen durch das Internet.

    Gefährliche Masern

    "Masern können sehr schwer verlaufen, bei jeder tausendsten Infektion kommt es zu einer schweren Gehirnhautentzündung, in bis zu sechs Prozent zu einer lebensbedrohlichen Lungenentzündung, jeder Zweitausendste stirbt an Masern, auch bei unserer modernen Medizin. Und Masern sind sehr ansteckend. Praktisch jeder Ungeschützte erkrankt bei Masernkontakt an Masern", sagt Primar Furthner. Aus Sicht der Kinderärzte sollte auch in Österreich die Impfpflicht eingeführt werden. In einigen Ländern Europas gibt es diese bereits. Zu Beginn des Jahres 2018 hat Frankreich die obligatorischen Impfungen für Kinder massiv ausgeweitet. Jedes Kind, das neu geboren wird, muss in den ersten zwei Lebensjahren gegen elf Krankheiten geimpft werden. Auch Italien hat diese Pflicht eingeführt.

    Barbara Rohrhofer, 07.03.2018, 00:04 Uhr

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