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    Ein "Kapperl" für die Monatshygiene

    Ein "Kapperl" für die Monatshygiene

    Nie mehr Tampons kaufen: Gerade junge Frauen entscheiden sich immer öfter für Menstruationskappen. Eine Expertin spricht über die Vorteile

    Sie sind eine echte Revolution in der Monatshygiene: Menstruations-Cups ersetzen Tampons und Binden. "Sie werden gefaltet und in die Scheide eingeführt. Die Kappe legt sich an die Vaginalinnenwände an und bildet einen Unterdruck in der Scheide", erklärt Oberärztin Julia Ganhör-Schimböck vom Ordensklinikum Linz (Barmherzige Schwestern). Wenn die Silikon-Kappe richtig positioniert wurde, fängt sie dort das Blut während der Menstruation auf. "Die Kappe sitzt richtig, wenn man sie in der Scheide um 360 Grad drehen kann", so die Gynäkologin, die auch die Vorsorgeambulanz im Ordensklinikum leitet.

    Entleert werden muss der sogenannte Cup alle sechs bis zwölf Stunden. Dafür wird die Kappe vorsichtig aus der Scheide herausgezogen, entleert und unter fließendem Wasser – eventuell mit einer PH-neutralen Seife – gereinigt. Händewaschen vor und nach der Anwendung ist Pflicht. Nach der Regel sollte der Cup ausgekocht und in einem sauberen Stoffsäckchen aufbewahrt werden.

    Silikon-Cups mit Bluetooth

    "Es gibt sogar schon Menstruations-Cups mit Bluetooth, die auf das Handy melden, wenn sie ausgeleert werden müssen", sagt Ganhör-Schimböck.

    Die Vorteile dieser neuen Monatshygiene liegen auf der Hand: Einerseits fallen nur einmalig Kosten von rund 30 bis 40 Euro an (die Kappe soll zehn Jahre halten); andererseits schont die Methode die Umwelt, weil kein Müll anfällt. "Es gibt aber noch viele andere Vorteile: Die Silikon-Kappen erzeugen keine Allergien, eignen sich auch für starke Blutungen und für den Sport und sie trocknen die Scheide nicht aus", sagt die Frauenärztin, "meiner Meinung nach ist es für junge Mädchen aber nicht das Mittel erster Wahl. Man muss dafür ein gutes Körpergefühl haben."

    Weil die erste Regel meist mit zwölf oder 13 Jahren einsetzt, sollte die Mutter vorher ihrer Tochter zeigen, welche Monatshygiene es gibt. "Kleine Tampons können auch von Mädchen getragen werden, deren Jungfernhäutchen noch intakt ist. Das Häutchen ist dann schon gut durchblutet und reißt deshalb nicht so leicht ein", sagt Ganhör-Schimböck.

    Wichtig ist, dass der Tampon nicht zu früh entfernt wird, da es sonst die Scheide austrocknet, und das kann zu Reizungen führen.

    Spezielle Schwimm-Tampons hält Ganhör-Schimböck nicht für notwendig; es genüge, vor dem Schwimmen und danach den Tampon zu wechseln. In den USA gibt es auch Tampons, die mit THC (aus Cannabis) getränkt sind, um Regelschmerzen zu behandeln. Davon hält die Linzer Ärztin nichts: "Bei Regelschmerzen hilft oft Wärme. Auch Ibuprofen lindert die Beschwerden sehr wirksam."

    Auskochbare Binden

    Wer nichts in die Scheide einführen möchte, kann natürlich weiterhin Binden verwenden. Auch diese wurden weiterentwickelt und schließen die Flüssigkeit mittlerweile gut ein, was vor Gerüchen schützt.

    Wer Wert auf Umweltschutz legt, findet auch hier Alternativen: Es gibt auskochbare Binden aus Stoff, die immer wieder verwendet werden können.

    Dietlind Hebestreit, 05.04.2017, 00:04 Uhr

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