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    Cannabis Lüge: Kurosch Yazdi räumt mit harmlosem Image der Droge auf

    "Cannabis-Lüge": Kiffen gefährlicher als früher

    LINZ/ WIEN. Schwere Nebenwirkungen und hohes Suchtpotential - Linzer Suchmediziner räumt mit dem harmlosen Image von Gras auf.

    Der Linzer Suchtmediziner Kurosch Yazdi räumt in seinem am Freitag präsentierten Buch "Die Cannabis-Lüge" mit dem Harmlos-Image der Droge auf: Die Pflanze sei mittlerweile kommerziell hochgezüchtet worden, der Gehalt des berauschenden THC extrem gestiegen. Er vergleicht das Cannabis der Flower-Power-Zeit mit Most, das heutige mit Schnaps. "Das ist nicht mehr die selbe Droge, sie heißt nur gleich."

    Yazdi ist Psychiater, leitet am Linzer Kepler Uni-Klinikum das Zentrum für Suchtmedizin und befasst sich mit Abhängigkeiten vom Alkohol über Crystal Meth bis hin zur Internetsucht. Eines vorweg: Die gefährlichste Droge sei nach wie vor die Zigarette, betonte er, denn: "Kaum jemand raucht nur ein Mal" und der blaue Dunst fordere pro Jahr 15.000 Tote. Cannabis, das laut österreichischem Drogenbericht 2015 bereits etwa jeder Dritte zumindest einmal probiert hat, sei aber problematischer als landläufig gedacht, so seine Botschaft. Neun Prozent aller Konsumenten werden süchtig - von jenen, die bereits als Jugendliche begonnen haben, deutlich mehr. Hauptproblem: Die Droge wird immer stärker.

    Nebenwirkungen: Psychosen, Schizophrenie, Demenz

    Während Jimi Hendrix und Janis Joplin noch Gras mit ein bis zwei Prozent THC (Tetrahydrocannabinol) rauchten, ist mittlerweile ein Gehalt von 15 bis 20 Prozent normal. "In Amerika gibt es sogar Züchtungen mit 38 Prozent", rechnet Yazdi vor. Wie er in seinem Buch darlegt, stehen im Hintergrund oft Firmen. Seit Cannabis in mehreren US-Bundesstaaten legalisiert wurde, habe sich ein regelrechter "Green Rush" entwickelt, das Geschäft blüht, die Kassen klingeln, die THC-Gehalte steigen. Als "harmlos" stuft Yazdi nur die Hanfpflanze im Blumentopf am Balkon ein - der Hobbygärtner erreiche meist keine so hohen Konzentrationen und keine große Ernte.

    Nebenwirkungen von Cannabis können einerseits Psychosen, manchmal bis zur Schizophrenie, sein, aber auch die "Cannabis-Demenz": Laut einer neuseeländischen Langzeitstudie fiel der IQ jener Probanden, die bereits als Jugendliche mit regelmäßigem Konsum begannen, deutlich. Spätstarter oder Gelegenheitskonsumenten schnitten besser ab. Zudem inhaliere man beim Rauchen die selben Schadstoffe wie bei Zigaretten, "sogar noch schlimmer", erklärt Yazdi.

    Drogen tückischer als Alkohol

    Die Freigabe von Cannabis berge Risiken, warnt der Autor: So würden Firmen die Droge professionell hochzüchten, Werbung und leichtere Verfügbarkeit können zu mehr Konsum führen. Ob man es legalisiere oder nicht, sei aber letztlich eine politische Entscheidung. Als Suchtmediziner sei er allerdings "absolut" für eine Entkriminalisierung des Users, betont Yazdi. Mehr Aufmerksamkeit hätte seiner Ansicht nach das Thema Cannabis am Steuer verdient: Die Droge sei nämlich tückischer als Alkohol, weil sie viel länger im Körper bleibe, auch wenn man die Wirkung gar nicht mehr spüre.

    Dem oft vorgebrachten Argument, man (b)rauche Cannabis zu medizinischen Zwecken, steht er reserviert gegenüber: Es gebe in Österreich schon lange zwei Medikamente mit dem Wirkstoff THC, diese werden bei Übelkeit im Rahmen einer Chemotherapie und bei starkem Gewichtsverlust etwa bei Krebs oder HIV eingesetzt. Dass Cannabis gegen Epilepsie wirke, sei hingegen "Humbug". Denn dagegen helfe ein anderer Inhaltsstoff der Pflanze, dessen Konzentration umso geringer ausfällt, je höher der THC-Gehalt ist. Daher sei das mittlerweile verbreitete hochgezüchtete Cannabis wirkungslos. Als Irrtum wertet er auch die Annahme vieler Konsumenten, mit Cannabis ein Burn-out abwenden zu können.

     

    nachrichten.at/apa, 07.04.2017, 11:34 Uhr

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