• Gesundheit
    Brustkrebs: Während der OP bestrahlt

    Brustkrebs: Während der OP bestrahlt

    70-jährige Patientin aus Walding ist eineinhalb Monate nach der Diagnose Brustkrebs wieder "gesund" – Bestrahlung erfolgte während der Operation

    Aloisia Rechberger aus Walding bei Linz bekam im Februar dieses Jahres die Diagnose Brustkrebs. "Da hat es mir natürlich den Boden unter den Füßen weggezogen – und das, obwohl ich schon mit 40 Jahren mit einer Krebsdiagnose konfrontiert war. Damals war es die Schilddrüse", erzählt die 70-Jährige. Wie sich herausstellte, war der Tumor in der Brust sehr klein, die Heilungschance dafür sehr groß. "Die Ärzte im Ordensklinikum Barmherzige Schwestern haben mich toll aufgeklärt, mir die Ängste genommen und mir gesagt, dass sie mich gleich während der Operation bestrahlen werden", erzählt die Mutter dreier Kinder und Großmutter von sieben Enkelkindern.

    Für ältere Patientinnen geeignet

    Die Bestrahlung erfolgte dann tatsächlich während der Operation, noch direkt am OP-Tisch. Bei einem Großteil der betroffenen Frauen mit brusterhaltender Operation kann so zumindest ein Teil der Strahlentherapie ersetzt werden. "Für ein Drittel dieser Frauen kann die alleinige Anwendung der intraoperativen Radiotherapie – IORT – ausreichen", sagt Primar Hans Geinitz, Vorstand der Abteilung für Radio-Onkologie am Ordensklinikum der Barmherzigen Schwestern Linz.

    Heute – knappe eineinhalb Monate nach der Diagnose Brustkrebs – geht es Aloisia wieder sehr gut. Der Krebs ist weg, die Bestrahlung mit der Operation abgeschlossen. "Meine Therapie besteht aus einer Tablette am Tag – eine Antihormontherapie, weil mein Krebs hormonabhängig war", sagt sie.

    Das Besondere an der IORT-Methode, also der intraoperativen Radiotherapie: Direkt nachdem der Chirurg den Tumor in der Brust entfernt hat, kommt ein spezielles Gerät zum Einsatz. Der Spezialist führt es in die Wunde ein, dort wirkt es direkt an Ort und Stelle. Die Bestrahlung selbst dauert nur wenige Minuten. Da das Tumorbett während der Operation sichtbar ist, wird eine präzise Strahlung auf das Zielgebiet sichergestellt. Bei der IORT gibt es zwei Behandlungsformen.

    Als alleinige Bestrahlung – wie im Fall von Aloisia Rechberger – wird die spezielle Bestrahlungsform nur bei Patientinnen angewandt, die älter als 60 Jahre sind und einen kleinen, "hormonabhängigen" Tumor haben.

    Bei einem Großteil der Frauen mit brusterhaltender Operation kann durch diese Methode zumindest ein Teil der Strahlentherapie ersetzt werden (8 von 33 Bestrahlungen). Hier sind vor allem jüngere Patientinnen geeignet, die keine Metastasen haben.

     

    Intraoperative Bestrahlung

    Die IORT (Intraoperative Radiotherapie) ist eine Bestrahlung während der Operation, die sich durch hohe Effektivität auszeichnet. Ein Vorteil: Wundheilung und Chemotherapie müssen – wie bei der normalen Bestrahlung üblich – nicht abgewartet werden. Die Operation dauert mit Bestrahlung rund 20 Minuten länger.

    Diese spezielle Form der Bestrahlung wird nicht nur bei Brustkrebs angewandt, sondern auch bei Karzinom-Operationen im HNO-Bereich, in der Bauchspeicheldrüse und bei Weichteiltumoren, so genannten Sarkomen. Intraoperative Radiotherapie wird derzeit in Wien, Salzburg, Klagenfurt, Feldkirch, Graz und Innsbruck angeboten – und jetzt eben auch in Linz. Hier gibt den ersten mobilen Linearbeschleuniger Österreichs

    Barbara Rohrhofer, 05.04.2017, 00:04 Uhr

    Mehr Gesundheit
    Gesundheit Übersicht
    Zurück Zum Seitenanfang