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    Alles neu in Oberösterreichs Psychiatrie: Mehr ambulant, weniger stationär

    Alles neu in Oberösterreichs Psychiatrie

    Primar Kurosch Yazdi als neuer Leiter. Es soll weniger Betten geben, die Aufenthaltsdauer soll kürzer werden.

    "Stellen Sie sich vor, ein Patient ist dement, alkoholkrank und depressiv – dieser Mensch braucht drei verschiedene Experten. Das lässt sich leichter organisieren, wenn wir in der Psychiatrie enger zusammenarbeiten als bisher", sagt Primar Kurosch Yazdi vom Kepler Universitätsklinikum Linz. Der Psychiater mit Schwerpunkt Suchtmedizin hat eine zusätzliche Aufgabe bekommen und leitet ab sofort das neu gegründete "Zentrum Psychiatrie".

    Ziel: Die sechs Kliniken für Psychiatrie im Kepler Universitätsklinikum Linz sollen wesentlich enger zusammenarbeiten und ihre psychiatrischen und psychotherapeutischen Kompetenzen bündeln.

    Ambulant vor stationär

    Doch nicht nur die Kooperation der verschiedenen Kliniken soll enger werden – auch die Dauer des Spitalsaufenthalts, die im psychiatrischen Bereich derzeit bei durchschnittlich elf Tagen liegt, soll verkürzt werden. "Ziel einer modernen Psychiatrie muss es sein, dass der Patient nach dem Krankenhausaufenthalt in seinem gewohnten Umfeld – zu Hause und auf seinem Arbeitsplatz – wieder gut zurechtkommt. Das Motto lautet: ambulant vor stationär", sagt Yazdi. "Aus diesem Grund wurden in den vergangenen Jahren entsprechende Strukturen aufgebaut – die psychiatrische Tagesklinik wurde erweitert und Nachsorgeambulanzen wurden eingerichtet."

    Leben lernen mit der Krankheit

    "Ambulant vor stationär – das ist ein genereller Trend in Krankenhäusern: In allen medizinischen Disziplinen haben sich die stationären Aufenthaltsdauern verkürzt", sagt auch Primaria Adelheid Kastner, Vorstand der Klinik für Psychiatrie mit Forensischem Schwerpunkt am Kepler Universitätsklinikum. "Psychiatrische Behandlung beinhaltet auch die Anleitung zum verbesserten Umgang mit oft chronischen Störungen und sollte daher in das normale Umfeld des Patienten eingebettet sein", sagt Kastner, die betont, dass die Zeiten, in denen Patienten für lange Zeit in stationären Einrichtungen ganz einfach "verschwanden", glücklicherweise vorbei seien.

    "Längere Aufenthalte sind heute nur dann indiziert und unumgänglich, wenn es sich um ausnehmend schwere Erkrankungsepisoden oder Erkrankungen mit Selbst- oder Fremdgefährdungspotenzial handelt", erklärt Kastner. Im Zuge dieser Neuorganisation werde auch die zweite Etappe der Spitalsreform II umgesetzt, sagt Elgin Drda, Kaufmännische Direktorin des Kepler Universitätsklinikums. Bis Ende Juni sollen im psychiatrischen Bereich noch 15 Betten abgebaut werden. Dann gibt es im Kepler-Uniklinikum 426 psychiatrische Betten. Damit ist die Psychiatrie nach wie vor der größte Fachbereich im Uniklinikum und für Erkrankungen zuständig, die immer mehr Menschen betreffen. Depression nahm bereits 2015 Platz eins in den WHO-Berechnungen zur weltweiten "Krankheitslast" ein. Bis 2030 werden bereits drei psychische Krankheiten unter den Top fünf liegen: Depression, Alzheimer und andere Formen der Demenz und Alkoholsucht. In Österreich entfallen jährlich sechs Prozent der Gesundheitsausgaben auf die Therapie und sonstige Betreuung psychisch Kranker. Den größten Zuwachs gibt es bei alterspsychiatrischen Erkrankungen. Das Demenzrisiko steigt ab dem 60. Lebensjahr signifikant, bei den über 90-Jährigen leidet jeder Dritte daran. Bis zum Jahr 2030 wird sich die Zahl der über 75-Jährigen verdreifachen, die der über 90-Jährigen vervierfachen. (bar)

    06.06.2018, 00:04 Uhr

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