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    Hadishs Mutter: "Wer hasst uns so?"

    Hadishs Mutter: "Wer hasst uns so?"

    WIEN. Siebenjährige erstochen und Leiche in Mülltonne entsorgt: Die verzweifelte Mutter und ihre Kinder leben seit der Bluttat im Gemeindebau in Angst und Schrecken.

    Im Dittes-Hof, einem Gemeindebau in Wien-Döbling, ist seit dem Wochenende nichts mehr so, wie es vorher war. Weiterhin säumen Kerzen, Blumen und Plüschtiere den Innenhof der Wohnanlage, dort wo die Leiche der siebenjährigen Volksschülerin Hadish in einer Restmülltonne entdeckt wurde. Durch einen Stich in den Hals kaltblütig ermordet und im Abfallcontainer entsorgt: ausgerechnet an jenem Abend, bevor die Müllabfuhr Samstag früh die Behälter entleeren wollte.

    "Wer tut so etwas?" Das ist die am häufigsten gestellte Frage in ganz Österreich, aber vor allem im Dittes-Hof, wo unter den Bewohnern ein brisanter Gefühlscocktail aus Trauer, Entsetzen und ohnmächtiger Wut gärt und Schuldzuweisungen und Verdächtigungen nun auf der Tagesordnung stehen.

    Auch Hadishs Familie, die aus Tschetschenien stammt, ist weiterhin Anfeindungen und schweren Vorwürfen ausgesetzt, sie habe die Aufsichtspflicht gegenüber dem Mädchen vernachlässigt. "Ich habe Angst vor allen Leuten im Hof", sagte die Mutter Zarema G. gestern in einem Interview mit dem TV-Sender Puls4.

    War Täter "jemand von hier"?

    "Ich passe auf meine Kinder gut auf. Wer hasst uns so?", sagte die Frau und rang dabei mehrfach mit den Tränen. Der Täter müsse "jemand von hier" aus dem Gemeindebau gewesen sein. Die jüngsten ihrer sechs Kinder habe sie bereits bei Verwandten untergebracht, sagte die verzweifelte Mutter.

    Auch der 17-jährige Sohn und Hadishs Bruder Rustam betonte, er habe am Freitagnachmittag "jede halbe Stunde" nach seiner kleinen Schwester, die im Innenhof spielte, geschaut. Als die Siebenjährige auf einmal verschwunden war, habe es zunächst noch geheißen, sie sei bei einer Freundin. Der 17-jährige Bruder erstattete schließlich am Freitag gegen 23.00 Uhr eine Vermisstenanzeige, nachdem Telefonate und eine Suche nach dem Kind keine Spur erbracht hatten.

    "Ermitteln in alle Richtungen"

    Die Wiener Kriminalpolizei ermittelt seither auf Hochtouren: "In alle Richtungen". Kriminaltechniker werten Spuren aus, Ermittler führen Befragungen durch: innerhalb des Familienverbandes ebenso wie in der Nachbarschaft. Aktuelle Erkenntnisse würden aber aus ermittlungstaktischen Gründen weiterhin nicht bekanntgegeben. Hinweise auf einen sexuellen Missbrauch habe die Polizei weiterhin nicht, sagte Polizeisprecherin Irina Steirer.

    Medienberichte, wonach der Vater der Familie nicht in Wien ist, sondern sich in Italien im Gefängnis befindet, weil er mit einem falschen Visum eingereist sein soll, wollte die Polizei nicht bestätigen. "Spekulationen" seien den Ermittlungen "nicht dienlich", hieß es.

    OÖN, 15.05.2018, 00:04 Uhr

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