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    Motorrad: Sieben Tipps zum Auswintern

    Motorrad: Sieben Tipps zum Auswintern

    LINZ. Zweirad-Urgestein Franz Gill aus Linz erklärt, worauf Biker vor der ersten Ausfahrt achten müssen.

    Wenn die Triebe sprießen, werden auch Biker nervös. Denn mit den steigenden Temperaturen kommt auch die Lust aufs Motorradfahren. Aber egal wie lange der Winter gedauert hat, vor der ersten Ausfahrt gilt es einige Details zu beachten. Denn das eigene Bike muss fit für die Straße gemacht werden. Das Linzer Zweirad-Urgestein Franz Gill (56) gibt Tipps zum Auswintern des Motorrades.

     

    1 Batterie anschließen: Zuerst den Plus-Pol verbinden, dann erst die Masse und den Minus-Pol. Wichtig ist, die Anschlüsse nicht zu verwechseln. "Sind die Kabel falsch angeschraubt, kann’s sein, dass in der Lichtmaschine Dioden durchbrennen", sagt Franz Gill.

    Der Stromspeicher sollte voll geladen sein, sagt der Motorradhändler. "Am besten ist, die Batterie über den Winter an ein Ladegerät anzuschließen", rät der 56-Jährige. Und zwar eines, das ständig lädt und entlädt. Durch dieses Auf und Ab verlängere sich die Lebensdauer der Batterie entscheidend. Ein derartiges Ladegerät kostet um die 90 Euro. "Das ist aber die Luxusversion, da gibt’s auch billigere Exemplare", sagt Gill.

     

    2 Reifendruck prüfen: Vor dem Winter sollen Pneus auf 3,5 Bar aufgepumpt werden, um bei langen Standzeiten Dellen im Gummi zu vermeiden. "Vor der ersten Ausfahrt muss daher der Druck reduziert werden – und zwar auf jenen Wert, den der Hersteller vorgibt."

    Laut Gesetz muss ein Motorradreifen mindestens 1,6 Millimeter Profiltiefe aufweisen. "Unter zwei Millimeter würde ich aber nicht fahren, denn das ist bei Regen lebensgefährlich", sagt Gill im OÖN-Gespräch sehr deutlich.

     

    3 Bremsen testen: Den Bremshebel vor der ersten Fahrt kräftig ziehen bzw. kräftig auf die Hinterradbremse treten. Ist ein harter Widerstand zu spüren, arbeitet das System einwandfrei. Wenn nicht: Ab in die Fachwerkstatt!

     

    4 Flüssigkeiten überprüfen: Das Motorrad auf den Hauptständer stellen und bei sämtlichen Flüssigkeiten den Füllstand kontrollieren: Kühlflüssigkeit, Motoröl und Bremsflüssigkeit. Wobei die Qualität der Bremsflüssigkeit in einer Fachwerkstätte überprüft werden muss. "Die Flüssigkeit zieht Luftfeuchtigkeit an – auch im geschlossenen Bremskreislauf", sagt Gill. Ist zu viel Wasser in der Bremsflüssigkeit, sinkt der Siedepunkt, und die Bremswirkung nimmt rapide ab. "Wir verwenden nicht DOT 4.0, das der Mindeststandard ist, sondern das DOT 5.1. Das kommt aus dem Rennsport, hält mehr aus und kostet nur unwesentlich mehr als das DOT 4.0."

     

    5 Lampen und Hupe kontrollieren: Nicht nur die Scheinwerfer und Blinker müssen ausprobiert werden, auch zumindest einmal die Hupe betätigen!

     

    6 Kettenspannung anpassen: "Da gibt’s genaue Messpunkte, die eingehalten werden müssen", sagt Franz Gill. "Die Details stehen in der Betriebsanleitung!" Wichtig ist auch, kein herkömmliches Motoröl für die Kettenschmierung zu verwenden, denn dieses nimmt Dreck und Sand auf. Durch diese Verunreinigungen verschleißen Kette und Ritzel extrem schnell. Nur Spezial-Öl verwenden!

     

    7 Motor starten: "Nicht sofort losfahren!", rät der Linzer Zweiradhändler. "Denn es kann sein, dass der Motor nicht richtig geschmiert wird." Weil sich das Öl in den Wintermonaten abgesetzt und dadurch Leitungen verstopft hat. Daher soll der Motor im Stand warmlaufen, sagt Gill. "Das ist bei Autos eine Unsitte, ich weiß, aber Autos stehen auch nicht so lange wie Motorräder im Winter." Zu beachten sei auch, dass nur das vom Hersteller empfohlene Motoröl verwendet wird. Viele Öle lassen sich nicht miteinander mischen, warnt Gill.

     

    Carsten Hebestreit, 08.05.2017, 00:04 Uhr

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